Gehören Sie auch zu denjenigen die glaubten, wir leben in einer Demokratie mit Trennung von Kirche und Staat? Glaubten Sie vielleicht auch wer nicht Kirchenmitglied ist, finanziert diese auch nicht mit? Sind Sie beispielsweise gar Moslem und haben jetzt einen Gewissenskonflikt weil aus Ihren Steuergeldern Missionsarbeit finanziert wird? Der Deutsche Staat und die Kirche, das ist ein enorm komplexes Gebilde, mit vielen historischen, rechtlichen und kulturellen Spannungsfeldern und Verstrickungen. Ein neues Buch sorgt jetzt für neues Aufsehen, die Kirche ist alarmiert. Das Violettbuch Kirchenfinanzen (Amazon.de) versucht, Licht ins Dunkel zu bringen, und aufzudecken, wie sich die Kirche finanziert, welche Ausgaben es gibt, welche Rolle die Kirchensteuer spielt und wie groß der Teil der staatlichen Finanzierung ist. Dabei räumt das Buch, Rezensionen zu Folge, mit vielen Vorurteilen auf und versucht sich daran, die Vermögenswerte und den Immobilienbesitz der Kirche aufzulisten. Dabei kratzt dieses – in Deutschland muss man sagen Tabu- Thema, an viele aktuelle und länger existierende Kontroversen. Es stellt sich beim deutschen System der Kirchenfinanzierung eine verfassungsrechtliche Frage, eine demokratietheoretische, eine Steuerpolitische, eine kulturelle, eine haushaltspolitische, eine geschichtliche und eine – wobei wir beim Hauptthema unserer Initiative wären: eine Transparenz Frage.
Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft … werden nicht aus dem Aufkommen der Kirchensteuer finanziert.
Ob Gläubiger, Atheist oder Außenstehender, die Frage danach, was mit unseren Steuergeldern passiert und in welchem Grade damit Dinge finanziert und unterstützt werden die verschiedensten Prinzipien womöglich zuwider laufen, ist eine Frage der demokratischen Transparenz und Legitimität. Den Technik-orientierten Open Government Verfechtern müsste man vorschlagen, auch kirchliches Open Data zu fordern, und die Finanzströme von Staat zu Kirche zu visualisieren, beispielsweise. Es fällt bei der Lektüre der Beiträge über die Veröffentlichung dieses Buches (zum einen hier bei der FAZ, und zum anderen hier bei der TBZ) schwer, nicht zum Schluss zu kommen, dass es eine Trennung von Kirche und Staat in der BRD nicht gibt, und nie gab. Es fällt schwer, bei all den Verstrickungen und Komplexitäten optimistisch hinsichtlich mehr Transparenz und Offenheit zu sein. Doch genau das muss passieren. Ob atheistisches grass-roots Lobbying, kirchliche “Öffentlichkeitsarbeit” oder staatliches Nichtstun, es muss Licht in die Sache geraten, damit nicht länger Halbwissen und Tabus den öffentlichen Diskurs dominieren, sondern Faktendiskussionen und Handlungsmöglichkeiten. Im Zeitalter von leeren Kassen, Priesterskandalen, Kulturdebatten und Demokratiekrise kann ein obskures Konstrukt, ein Staat im Staat, kein andauernder Normalzustand sein, vor allem nicht in einer pluralistischen Demokratie im 21. Jahrhundert. Dabei will niemand den Gläubigen die Kirche wegnehmen, und die Gläubigen wollen sicherlich auch nicht die Nicht-Gläubigen zur Mitfinanzierung zwingen, vielmehr geht es um einen Grundkonsens zu mehr Offenheit auch in den Bereichen dieses Landes, die bisher als zu “heilig” galten als das man sie in Frage stellen könne.
No related posts.















Facebook
Twitter
Pingback: zoom » Umleitung: Grüne unterstützen von der Leyen, Seid verschlungen Millionen, Haschisch und Halacha, Bomberman, Finanzfrise, Flächenbrand und mehr. «
Pingback: Wieviel Geld aus Steuern an die Kirche geht - Erwerbslosen Forum Deutschland (Forum)